Germany: «Lampertheimer Zeitung»   16.03.2018. (link)

Pianist Alexander Malofeev begeistert mit Chopin, Rachmaninow und Prokofjew.

WIESBADEN - Mit 16 Jahren Meister? Bei Zimmerleuten wäre das nicht möglich. Aber das Handwerk des jungen Moskaus Alexander Malofeev kann schon genial meisterhaft genannt werden. Erst im August 2017 hörten wir ihn mit Rachmaninows 2. Klavierkonzert. Nun schaut er beim begeisterten Applaus für das „Meisterkonzert“ im Kurhaus zwar immer noch etwas kindlich, nicht ganz von dieser Welt, in den Saal. Sein Spiel ist aber weiter gereift und scheut vor keiner technischen wie gestalterischen Schwierigkeit zurück.

Höher in der Klavierliteratur kann man mit Chopins b-moll-Sonate, Rachmaninows zweiter Sonate, ebenfalls b-moll, und Prokofjews Sonate Nr. 7 aus den Kriegsjahren 1941/42 nicht greifen. Chopin gibt 1839 einen völlig neuen Stil vor. Die klassische Sonatenform wird durch abrupte Wechsel von wild aufbegehrendem Getümmel zu resigniertem Klagegesang aufgebrochen. Wie aus dem spontanen Gefühl des Spielers entstanden, beinahe improvisiert wirken die Umschwünge in Stimmung und Ausdruck. Im Rausch entfesselter Tasten mag manche Note untergehen. Leidenschaftliche Überwältigung fragt nicht nach jedem Detail.

Sergej Rachmaninow bewegt sich 1913 noch ganz in dieser Chopinschen Welt, steigert aber die Anforderungen an den Pianisten oder die Pianistin weiter ins kaum noch Spielbare. Auch Sergej Prokofjew kennt neben radikalen, hart sachlichen Klängen noch die große pianistische Überwältigung. Mit ungeheurer Kraft stemmt er sich im letzten Satz der siebten Sonate der drohenden Kriegsgefahr entgegen.

Alexander Malofeev verfügt über die gesamte Palette des pianistischen Anschlags ebenso wie über den großen Bogen, den klugen Aufbau dieser monumentalen Sonaten. Großartig schattiert er in einer Hand prägnantes Melodiespiel bei gleichzeitig hingetupften Begleitakkorden. Die Kraft geht ihm nicht aus, wenn er nach dem Gewaltritt der Prokofjew-Sonate mit dessen „Toccata“ als Zugabe noch ein Bravourstück draufsetzt. Aber auch der lyrische Gesang gelingt ihm weich, suggestiv und zauberhaft, bei Tschaikowskys „Herbstlied“ ebenso wie dessen wunderschöner Volkslied-Bearbeitung „Dumka“.

Von Dietrich Stern.